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Hintergrund

Die Erziehungsberatung stellt für die Wirkungsforschung keinesfalls ein unbeschriebenes Blatt dar. So zeigten sich etwa im Rahmen der Jugendhilfe-Effekte-Studie (JES, Schmidt et al. 2000) überdurchschnittliche Wirkungen der Erziehungsberatung im Bereich Familie und Umfeld. Dies allerdings bei eher mittelgradiger Symptomreduktion und Kompetenzsteigerung bei den jungen Menschen. Unter dem Wirkungsaspekt betrachtet erschien die Erziehungsberatung in der JES-Studie demnach stärker familien- als kindorientiert. Da das umfangreiche und äußerst differenzierte Instrumentarium der JES-Studie nur an einer kleinen Stichprobe, von weniger als 50 Beratungsprozessen, angewendet werden konnte, waren die Ergebnisse der Studie in der Tiefe zwar wissenschaftlich äußerst wertvoll, in der Breite allerdings nicht sonderlich repräsentativ.

Darüber hinaus lagen noch vergleichsweise viele Studien zur „Klientenzufriedenheit“ vor (z. B. Roesler, 2014; Vossler 2003), in denen die überwiegende, mitunter schon die überwältigende, Mehrheit der Ratsuchenden eine überaus hohe Zufriedenheit mit den Beratungsergebnissen sowie hohe Weiterempfehlungsraten zeigt. Nichtsdestotrotz blieben noch viele Fragen offen. Anzuführen sind hier insbesondere

  • das Fehlen konsensualer Erfolgsmaßstäbe
  • mitunter umfangreiche Erhebungen mit primär wissenschaftlichem Fokus, die im Hinblick auf den Aufwand nicht ohne Weiteres für einen dauerhaften Einsatz in der alltäglichen Beratungspraxis geeignet sind
  • Ansätze waren zu stark „monoperspektivisch“, d. h. sie fokussieren entweder auf eine (zumeist "klinisch" orientierte) Expertensicht oder beschränken sich alleine auf Zufriedenheitseinschätzungen der Adressaten.

Einer der Hauptgründe aber warum, primär auf Initiative der katholische Landesarbeitsgemeinschaft der Träger von Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz und Saarland (kLAG) sowie der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Bayern, eine neue Wirkungsstudie für die Erziehungsberatung angeregt wurde war folgender: Zufriedenheitseinschätzungen sind für die Beurteilung der Frage nach der Wirksamkeit von Erziehungsberatung in mehrerer Hinsicht limitiert: Neben ihrem retrospektiven Charakter, der für vielfältige Verfälschungen, etwa durch Gedächtniseffekte oder die rückblickende Überakzentuierung aktueller positiver oder negativer Gegebenheiten ähnlich zu Halo- oder Rezenzeffekten anfällig ist, ist das von Vossler (2006) beschriebene „Diskrepanz-Phänomen“ das wohl gravierendste Problem. Damit wird die Beobachtung umschrieben, dass sehr häufig auch dann hohe Zufriedenheiten vorliegen, wenn faktisch gar keine konkreten Verbesserungen, der für die Beratung maßgeblichen Probleme, festzustellen sind. Dies hängt damit zusammen, dass für die Zufriedenheit nicht nur die konkreten Ergebnisse, sondern in besonderem Maße auch die Bewertung der Prozessqualität, z. B. in Form des Vertrauensverhältnisses, der Empathie und wahrgenommenen Kompetenz der Berater/-innen oder Faktoren wie die Gewährleistung zeitnaher bzw. regelmäßiger Beratungstermine, ausschlaggebend ist.